icca-Rituale

In Wicca werden die Feste des Jahresrades (Imbolg, Ostara, Beltane, Mitsommer, Lughnasadh, Mabonadh, Samhain, Jul) in Form eines Rituals begangen. In vielen Coven ist es zugelassen, dass an diesen Ritualen auch nicht Initiierte teilnehmen. Eine gewisse Ausnahme bilden hier Beltane und Samhain: Teile des Rituals sind hier ebenfalls ausschließlich Priesterinnen und Priestern vorbehalten. Die Ursache ist bei Beltane zum Beispiel darin zu sehen, dass dieses Fest durchaus eine starke sexuelle Komponente hat, in deren Rahmen ein Priester zum Gott und eine Priesterin zur Göttin wird, und sich die beiden vereinigen. Dies kann in einem tatsächlichen Akt vollzogen werden oder auch in einem symbolischen Akt, bei dem dann durchaus auch Gäste anwesend sein könnten. Im Gegensatz hierzu stehen die Rituale an jedem Vollmond und Neumond, diese Rituale finden in den meisten Coven unter ausschließlicher Beteiligung von Priesterinnen und Priestern statt.

Außer diesen durch das Jahresrad festgelegten Festen und die durch die Mondphasen fixierten Rituale können natürlich jederzeit weitere Rituale durchgeführt werden, wenn ein Anlass hierzu vorliegt. Ein Anlass wäre zum Beispiel eine beabsichtigte Heilung im Rahmen eines Heilrituals oder eine Initiation.

Je nach grundsätzlicher Ausrichtung des jeweiligen Covens, werden Ritualteile, die nicht für nicht Eingeweihte bestimmt sind, bei Gegenwart von Gästen ausgespart, wortlos vollzogen oder vor oder nach dem Ritual separat ausgeführt. Beschreibungen dieser Ritualteile finden sich vorwiegend im "Buch der Schatten". Dieses Buch wird jeweils vom Initiierenden für den Initianten zur Abschrift freigegeben. Das Buch selbst wird dabei nicht aus der Hand gegeben, vielmehr erhält der neu initiierte Wicca-Priester/in die Möglichkeit und Verpflichtung dieses Buch abzuschreiben. Das Buch ist von Coven zu Coven und teilweise von Priester/in zu Priester/in unterschiedlich. In seiner Grundessenz geht es auf sehr alte Schriften zurück, wird aber immer wieder durch jeden einzelnen Priester/in um eigene Erkenntnisse und Erfahrungen ergänzt. Das Buch enthät die detaillierte Beschreibung von Ritualen, Anrufungen, Kräuterrezepten, Tinkturen, magischen Handlungen und das Gesetzeswerk des Wicca. Um dieses Buch, oder besser diese Bücher, wird in Wicca-Kreisen viel Aufhebens gemacht. Dieses Buch beschreibt und gibt Anleitungen für die Grundlagen von Wicca schlechthin. Zunehmend tauchen angeblich authentische Bücher der Schatten im Internet auf. Neben plumpen Fälschungen, aus unterschiedlichsten Eso-Quellen zusammengetragenem Müll handelt es sich hierbei in den allerseltensten Fällen um traditionelle Bücher der Schatten, die grundsätzlich nur in einem Initiationsritus von Hohepriester(-in) an den/die Initiant(-in) persönlich weitergegeben werden. Manch Frisch-Initiierter wird enttäuscht sein, wenn er dieses sagenumwobene Buch das erste mal zu Gesicht bekommt. Aber lägst nicht alles ist bereits ausgeplaudert oder in käuflichen Büchern veröffentlicht worden. Die Geheimniskrämerei um dieses Buch wäre auch gerechtfertigt, wenn alle Inhalte allgemein bekannt wären. Die beschriebenen Rituale erschließen sich in ihrer ganzen Kraft und Schönheit erst nach einer erfolgten Initiation und wer glaubt er schenke Wissen, wenn er aus diesem Buch zu Uneingeweihten plaudert oder in eigenen Büchern zitiert, der irrt. Tatsächlich beraubt er den Zuhörer oder Leser; statt unvoreingenommen eine Erfahrung von Kraft und Schönheit zu machen, wird er intellektuell vorbelastet und ihm wird ein persönlicher Zugang zu den Inhalten erschwert. Aus diesem Grund wird hier auch auf Detailbeschreibungen verzichtet.

Wicca-Rituale werden grundsätzlich in einem Kreis durchgeführt. Dieser Kreis ist ein von der Alltagswelt losgelöster und geheiligter Raum. Der Kreis muss nicht unbedingt rund sein, er kann jede beliebige zweckmäßige Form haben. Die einzige Bedingung, die an ihn zu stellen ist, ist die, dass alle Teilnehmer des Rituals in ihm den notwendigen Platz finden. Der Kreis wird durch einen Priester/eine Priesterin festgelegt. Hierbei werden über Anrufungen Mächte/Kräfte in den Kreis gerufen. Der Kreis wird physisch (mit dem berühmt, berüchtigten Hexenbesen, der zum Fliegen nur sehr bedingt tauglich und bequem ist) und magisch (durch Salz und Wasser) gereinigt. In dem so hergestellten Raum kann das Ritual, unterschiedlich nach Anlass, Jahreszeit und Zweck, durchgeführt werden. Prinzipiell ist es übrigens völlig gleichgültig, ob sich der Kreis in der freien Natur oder in einem Raum befindet. Viele Wiccas ziehen aber ein Ritual auf einer Waldlichtung, in der Nähe alter Bäume oder an einem sonstigen geschützt liegenden geeigneten Platz, dem in einem Raum vor. Besonders zu Vollmond, Neumond, Beltane, Mittsommer und Lughnasadh vermitteln Rituale in freier Natur einen wesentlich leichteren Zugang zu ihren Inhalten. Besonders hart gesottene Wicca-Coven lassen sich aber auch von der kalten Jahreszeit nicht von Ritualen im Freien abhalten.

Nach Beobachtung des Verfassers haben diese Kreise seltsame Eigenschaften. Anders als die schamanischen Kreise sind sie nicht vorrangig Schutzkreise. Vielmehr entsteht hier ein Raum, der so losgelöst von der Alltagswelt ist, dass Zeit in ihm schneller oder langsamer abläuft. Deshalb wird im allgemeinen auch darum gebeten, Armbanduhren außerhalb des Kreises abzulegen. Das subjektive Zeitempfinden der Menschen im Kreis wird häufig getäuscht. So kommt es relativ häufig vor, dass ein Ritual in den frühen Abendstunden begonnen wird und nach subjektiv ein bis zwei Stunden beendet ist. Nach Auflösung des Kreises stellen die Teilnehmer dann fest, dass fünf oder sechs Stunden vergangen sind und das Morgengrauen nicht mehr weit ist. Ein weiteres Phänomen der Wicca-Kreise ist, dass das Temperaturempfinden in ihnen offensichtlich eingeschränkt ist. Selbst bei kühler Witterung kommt es selten vor, dass jemand im Kreis friert, das bewahrt ihn aber nicht unbedingt vor einer Erkältung am nächsten Tag. Auch Gegenstände verhalten sich in diesen Kreisen nicht immer typisch. In einem Ritual, bei dem der Verfasser zugegen war, leuchteten zum Beispiel alle Kerzen bei der Nennung eines bestimmten Göttinnennamens hell auf (und zwar immer alle zugleich), unmittelbar danach sank jeweils ihre Flamme zu einem Glimmen herab. Eine logische Erklärung, wie Luftzug oder dergleichen, gab es hierfür nicht und das Phänomen wurde auch von anderen Personen wahrgenommen.

Die Rituale selbst dienen unterschiedlichen Zwecken. Grundsätzlich werden sie aber zu Ehren der Göttin gehalten. Andere Zwecke, wie Heilung, Initiation, Zauber oder dergleichen sind nur Nebeneffekte.