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Sowohl im WICCA, wie auch bei den nordischen Schamanen, spielen Krafttiere eine wichtige Rolle. Da sich der aus der indianischen Sprache stammende Begriff Totemtiere inzwischen eingebürgert hat, soll dieser Begriff auch hier Verwendung finden. Grundsätzlich verfügt jeder Mensch über ein Totem seit seiner Geburt. Totemtiere sind psychologisch gesprochen ein unterdrückter Bestandteil der menschliche Psyche. In Meditationen und mentalen Reisen können Totemtiere quasi als Ankerpunkt zur Normalität gesehen werden. Im alltäglichen Leben kanalisieren sie alle unterdrückten Eigenschaften eines Menschen. Somit befindet sich jeder Mensch auch jederzeit in einer Auseinandersetzung mit seinem Totem. Ein starkes Totem bedeutet eine große Herausforderung für seinen Besitzer, er wird sich ständig in einer heftigen Auseinandersetzung befinden. Der Besitzer eines schwachen Totems wird sein Totem im normalen Leben kaum wahrnehmen und nur geringe Konflikte haben. Andererseits ist ein starkes Totem auch wesentlich stärker in seinen positiven Auswirkungen als Schutz, als magisches "Werkzeug" und als "Trainingsgerät" für mentale Kräfte. Die Herausforderung kann also, wenn der Besitzer nicht an ihr zerbricht, zu Stärke, Kraft, Durchsetzungsvermögen, magischen Fähigkeiten und zu einem beschleunigten Reifeprozess führen. Schamanen können bei fast jedem Menschen im ganz normalen Alltag sein Totemtier/Krafttier erkennen. Sie benutzten dazu keine Technik und führen nichts bewusst herbei, es "springt" sie quasi an. Wenn ein Schamane ein Kleinkind (ein paar Tage oder Stunden alt) sieht, dann erscheint ihm dessen Totemtier völlig klar und absolut eindeutig. Bei Erwachsenen ist das anders, wenn er es da ganz genau wissen will, muss er sich mindestens sehr konzentrieren oder sich eventuell sogar in einem rituellen Akt darauf einstellen. Was er dann sieht, ist der momentane Status des Tieres, anders gesagt, dieser Mensch hat zu diesem Zeitpunkt genau dieses Totemtier. Anders als bei dem Kleinkind, muss das aber nicht die endgültige Form sein. Praktisches Beispiel: Ein Mensch, dessen Totem ein Luchs ist. Dieses Totem ist wie die Matruschka-Puppen. Man macht eine auf und drin steckt die nächste usw., usw., bis man zu der Kernpuppe kommt. Durch verschiedene Ereignisse, zum Beispiel Initiationen kann die Luchs-Matruschka geöffnet, sauber wieder zusammengefügt und seitlich aufgestellt werden. Sie ist immer noch da und existent, jetzt ist aber die Kern-Matruschka zu sehen. Diese Kernmatruschka ist ein Wesen, dass sich nur schlecht beschreiben lässt. Es ist eine Art dicker Nebel, der sich in unterschiedliche Formen begeben kann. Bei einem Schamanen beispielsweise kann dieses Wesen vier sehr realistische und massiv erscheinende Formen annehmen: Bär, Schlange, Drache und Luchs; es sind die Totems des Schamanen. Alle Schamanen haben solche Totems. Da Schamanen immer sehr mit dem Land verbunden sind, auf dem sie leben, handelt es sich immer um drei einheimische Tiere plus Drache. Ein afrikanischer Schamane könnte also zum Beispiel Krokodil, Schlange, Löwe und Drache haben. Was aber bei allen Schamanen gleich ist, ist dass ein Tier ein großes Raubtier, ein Tier ein "Giftmörder", ein Tier einzeln jagendes Katzentier und das letzte Tier ein Feuer beherrschendes Tier ist. Diese Kombination an Totems ist absolut typisch für Schamanen, kommt nur bei ihnen vor und ist das einzige wirklich definitive Zeichen eines potentiellen Schamanen. Wie oben erwähnt ist aber bei Erwachsenen oft nur ein momentaner Status eines Totems zu sehen ist. Wie haben wir uns das vorzustellen? Ein nicht ganz ernstgemeintes Beispiel: Ein Immobilienmakler übt seit 20 Jahren seinen Beruf aus. Haus, Familie, Kultur, Kinder usw. steht alles an zweiter Stelle in seinem Leben. An erster Stelle steht der Beruf. Dieser Beruf erfordert bestimmte Eigenschaften; eine gewisse Verschlagenheit, Grausamkeit, schnelles zuschnappen, Stück abbeißen und schnell verschwinden; typische Haifisch-Eigenschaften. Nun wird er seinen Beruf nicht ergriffen haben, obwohl er in Wirklichkeit ein Schäfchen ist; nein, diese Eigenschaften oder dieses Totem ist Bestandteil seiner Person. Da alle anderen Teile seines Lebens nicht ausgelebt und unterdrückt werden und andererseits dieser Bestandteil gefördert wird und Erfolgserlebnisse hat, wird dieser Teil immer stärker und tritt immer mehr in den Vordergrund. Würde ein Schamane diesen Menschen zu diesem Zeitpunkt ansehen, würde er womöglich nur einen Hai sehen. Der ist dann aber nicht wirklich sein Totem, er bestimmt nur seine derzeitige Kraftquelle und reflektiert seine gegenwärtige persönliche Mentalität. Anders gesagt: der Hai ist nicht sein Totem, funktioniert aber so. Jetzt geht dieser Makler in Rente. Er entdeckt für sich andere Werte, wird reifer und wendet sich anderen Dingen zu. Der Hai wird nach und nach verschwinden und Platz machen für ein Bild des wirklichen Totems. Das wird dann sicher kein Schäfchen sein. Aber vielleicht ein Hering, der sich jahrelang zum Hai aufgeplustert hat. Für den Umgang mit anderen Menschen reicht Schamanen durchaus der aktuelle Status. Wenn jetzt aber ein spiritualisierter Mensch es genauer wissen will, dann kann man über einige Techniken sämtliche Effekte des Alltagslebens ausblenden. Der Geist wird völlig von der Alltagspersönlichkeit gelöst und steht quasi nackt. Eine solche Technik könnte zum Beispiel zum Tragen kommen in der Form, dass Menschen in einem rituellen Rahmen in einen Kreis zusammensitzen und die dünne Haut zwischen dieser und der Anderswelt (Welt der Ahnen, oder wie immer man sie nennen mag) durchstoßen wollen. Ein Schamane trommelt einen ganz bestimmten Rhythmus. Es wird also getrommelt und jeder der Teilnehmer begibt sich in die Welt die für ihn/sie derzeit die richtige und notwendige ist. Das ist aber bei keinem das, was man gemeinhin die Realität nennen würde. Jeder ist losgelöst von seinem Alltags ich. Jeder kann im Prinzip machen, was er will, einzige Bedingung: er darf nicht in der Alltagswelt bleiben. Jetzt haben aber viele Menschen die Eigenschaft, sich genau daran zu klammern (man will ja schließlich was greifbares haben). Die Trommel sorgt dafür, dass nahezu zwangsläufig jeder Teilnehmer aus der Alltagsrealität gerissen wird. Nachdem dieser Punkt erreicht ist, kann ein Schamane die Menschen, die er sehen will, in ihrer ureigenen Form sehen. Zunächst sieht er jeden mit seinem eigenen Totem. Hinter diesen realen Abbildern der Menschen stehen dann ihre Ahnen, graue farblose Gestalten, nicht unbedingt schön, dafür aber viele, sehr viele. Jede/r dieser Ahnen hat sein Totem bei sich. Jetzt wird’s einfach und kompliziert zugleich. Normalerweise hat jeder Mensch ein Totem, stehen jetzt in dieser unendlichen Reihe welche, die mehr als ein Totem haben, fällt das sofort ins Auge. Der Schamane "fliegt" also an dieser Reihe entlang und bei jedem der mehr als ein Totem oder keines hat, hält er an und schaut genauer hin. Wer kein Totem hat, starb vor oder bei der Geburt. Stellt man sich nun vor, dass da jemand vier Totems hat, dann sieht das ungefähr so aus wie ein Elefant zwischen Mäusen. Es ist zwar alles grau, aber trotzdem mit einem Blick zu erfassen. Diese Ahnen werden ungefähr so gesehen, wie auf einem unscharfen Schwarzweissfoto, in dem Zustand, in dem sie sich unmittelbar vor ihrem Tod befunden haben. Es ist also nicht unbedingt positiv zu beurteilen, wenn man nur junge und hübsche Menschen sehen würde. Die logische Konsequenz wäre: sämtliche Ahnen sind jung gestorben, ein eher schlechtes Vorzeichen. Ein weiteres Beispiel: Der Schamane sieht in dieser Reihe von Ahnen 10 Schamanen/Hexen (also Wesen mit den vier oben beschriebenen Totems) in unmittelbarer Folge. Alle tragen ein mittelalterliches Outfit (Haartracht usw.), alle weisen Brandspuren auf. Der Verdacht liegt nahe, dass alle auf dem Scheiterhaufen ihr Leben beendet haben. Hier stellt sich die Frage, ob man dieses Ergebnis einem Teilnehmer mitteilen sollte, die Belastung könnte möglicherweise zu groß sein. Es besteht auch die Möglichkeit, dass die Teilnehmer ihr jeweiliges eigenes Totem nicht richtig erkennen können. Nicht selten wird die Suche nach dem eigenen Totem getrübt, durch Wunschdenken und eine vorweggenommene Fixierung auf ein bestimmtes Totem. Häufig haben Menschen in ihrem Alltagsleben einen Bezug zu einer bestimmten Tierart. Dies kann ein Fingerzeig auf ihr Totem sein. Es kann aber auch sein, dass gerade diese Tierart die Nahrung für das Totemtier darstellt und lediglich als potentielle Beute einen Bezug hat. Manche Menschen wünschen sich auch ein als besonders edel empfundenes Tier als Totem. Tiger, Löwen und Panther sind äußerst beliebt. Wird sich nun vor einer Totem-Suche intensiv auf ein solches Totem festgelegt, so kann dieses Wunschbildtotem subjektiv tatsächlich erscheinen. Wenn nun jemand von diesem Wunschbild als seinem Totem völlig überzeugt ist, so funktioniert dieses Pseudo-Totem auch über einen gewissen Zeitraum fast wie ein echtes Totem; der Glaube versetzt Berge, ein Plazebo-Effekt. Auf Dauer wird er mit diesem Totem nicht viel Erfolg haben. Aus diesem Grund oblag in archaischen Kulturen den Schamanen eine Bestimmung des Totemtieres jedes neugeborenen Clanmitgliedes, häufig resultierte dann auch der Name des Kindes aus diesem Totem. Mit der Bestimmung unmittelbar nach der Geburt wurden alle im Laufe der Zeit hinzukommenden Irritationen ausgeschlossen. Durch die Namensvergabe sollte die Bindung an das Totem noch verstärkt werden.
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