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Mitte der 1970er Jahre traf ich in einem Sommerurlaub im nördlichen Grenzgebiet zwischen Schweden, Norwegen und Finnland auf einen samischen Schamanen. Für einen Menschen, der, wenn auch nur aus allgemeinen Interesse, an Esoterik interessiert war, aus einer Industrienation stammend und grundsätzlich an der Tradition, Sprache und Musik der Samen interessiert, war dieser Schamane natürlich sehr interessant und exotisch. Es entwickelte sich jedoch ein intensiver Kontakt zu diesem Schamanen, der über 20 Jahre erhalten blieb. Er bildete mich aus, ohne dass ich Ambitionen hatte selbst Schamane zu werden. Anfang der 1990er Jahre hatte ich die Nase voll von der durch und durch komerzielaisierten Esoszene und ich wollte den Nachweis für mich selbst antreten, dass an all dem absolut nichts sinnvoll ist. So suchte ich gezielt die "magischen" Orte der Esoszene auf. Ich war an Walpurgis auf dem Brocken, zu Mittsommer bei den Externsteinen, bei Alignements in Carnac, im Hügelgrab von Gavrinis, in Viereckschanzen der Kelten und in den Steinkreisen Brittaniens und der Bretagne. Alles was ich in dieser Zeit erlebte, bestätigte mir, dass nur das materielle Leben wirklich ist und alles andere ein Hirngespinnst abgedrehter Menschen, die mit ihrem Alltag nicht zurecht kamen. Dann jedoch kam es zu zwei einschneidenden Erlebnissen, zunächst in einem verfallenen Steinkreis in Südschottland und dann auf dem Hügel Glastonbury Tor. Ohne es wirklich zu wollen oder gar geplant zu haben, wurde ich dort zu einem Priester der Göttin Avallons, Cailleach. Ich konnte nun nicht länger die Augen davor verschließen, dass es Welten gibt, die nicht messbar oder physikalisch greifbar sind, nichts desto trotz aber so real sind wie unsere Alltagwelt. Ich nahm meine schamanischen Übungen wieder auf und wurde schließlich Mitte der 1990er initiierter Schamane. Weil es jedoch wenig sinnvoll ist, Schamanismus im stillen Kämmerlein und allein nur für sich selbst auszuüben, suchte ich nach einer religiös-magischen Praxis, die nicht in Konflikt zu meinen schamanischen Erfahrungen stand und einen Bezug zu Zentral-/Westeuropa hatte. In Büchern stieß ich auf den Begriff "Wicca" und wollte wissen, ob die Menschen, die diese Religion ausüben tatsächlich dem entsprachen, was in den Büchern beschrieben wurde. So traf ich auf die Hohepriesterin Regina und wurde nach einer Ausbildung durch sie zu einem Wicca-Priester. 1998 wurde ich zum Hohepriester initiiert . Warumn schreibe ich das alles hier, an diesem anonymen virtuellen Ort? Theorien, Bücher, ethische und religiöse Maximen auf Papier gedruckt und schön zu lesen, haben keinen Wert. Entscheidend sind die Menschen, die dahinter stehen. Ohne wirkliches Leben und Menschen, die die Theorien in Praxis umsetzen ist alles nichts. Warum ausgerechnet "Wicca"? Wicca ist modern oder besser gesagt zeitgemäß. Es ist undogmatisch und dadurch, dass Hierarchien über einen Coven hinaus nicht existieren, bleibt es flexibel und kann sich den Menschen anpassen, die es praktizieren wollen. Im Christentum fusst alles auf einem Buch, das in seinem Kern 2000 Jahre alt ist und die Welt der Palästinenser aus dieser Zeit widerspiegelt, mit der heuitigen Zeit und den hier lebenden Menschen, ihrer eigenen Kultur, ihren Ansichten (z.B. zur Rolle der Frau) und ihren eigenen Traditionen hat das Buch der Christen und ihr gesamtes Fundament nichts zu tun. Wicca stellt sich mir als sehr "bunt" dar, es ist absolut eklektisch, bedient sich aus allen Kulturen, manches davon ist für uns hier in Zentraleuropa so fremd, wie das Christentum. Es besteht jedoch kein Zwang, sich in Wicca mit Kabbalah, Tarot, Chakra etc. auseinander zu setzen. Für mich selbst ist Wicca das Ende eines langen Seiles, an dem ich mich entlang hangeln kann, um zu den Ursprüngen zu gelangen, zum Kern all dessen, was es uns ermöglicht, Teil des ewigen Kreislaufes unseres Planeten Erde zu sein, der Göttin. Viele Namen und Gesichter hat sie, alle von Menschen erdacht, um sie begreifbar zu machen. Es ist aber nur EINE, die all diese Aspekte, weiblich und männlich, in sich vereint. Nur wir Menschen leben in Dualität, beziehen aus dieser Spannung Kraft und können aus dieser Kraft das Göttliche begreifen. Wicca ist für mich ein guter Weg, Teil dieser Kraft zu sein und meine Göttin zu spüren, ihre Geheimnisse kennenzulernen und mit ihrer Magie die Dinge zu verändern. Ich will diese Kraft mit anderen teilen, denn durch Teilen wird sie größer, deshalb bin ich Wicca-Priester. Blessed be! Rhian
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