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Wie wird nun die Zukunft für naturreligiöse Bewegungen mit magischem Charakter aussehen? Auf absehbare Zeit birgt eine naturreligiöse Bewegung wie Wicca nicht die Chance zu einer Massenbewegung zu werden. Dies soll und wird auch nicht angestrebt. Es ist unübersehbar, dass das christliche Weltbild abgewirtschaftet hat, zu keiner sinnvollen Erneuerung mehr fähig ist, keine Perspektiven mehr aufzeigen kann und auf lange Sicht wohl verschwinden wird. Auf lange Sicht heißt in diesem Zusammenhang, dass sich die westliche Gesellschaft auf einen langsamen Verfall der christlichen Wertordnung einzustellen hat. Dieser Verfall wird als ganzes in seinem Prozess wohl kaum wahrnehmbar sein. Seine Ergebnisse wird man jedoch in einigen Generationen deutlich sehen können. Die ökologische Bewegung, die sich in einem Zeitraum von nur 15 Jahren über nahezu ganz Europa verbreitet hat, zeigt, dass die Menschen zumindest zu einem nennenswerten Teil, nicht bereit sind, ihre bisherige Geschichte und Kultur kritiklos fortzuschreiben und durchaus sehen, dass die Entwicklung ein grundsätzliches überdenken liebgewordener Traditionen erfordert. Am Beispiel der ökologischen Bewegungen lässt sich aber auch darstellen, weswegen naturreligiöse Bewegungen nicht nach dem Status einer Massenbewegung streben sollten. überall dort, wo sich die ökologische Bewegung in demokratischen Organisationen (Beispiel: Die Grünen) manifestiert hat, ist eine Aufweichung ihrer ursprünglichen Perspektiven bis hin zur Pervertierung zu sehen. Als Beispiel seien hier Regierungen genannt, an denen in Deutschland die Grünen beteiligt sind und die trotzdem nicht die Abschaltung von Atomkraftwerken forcieren, obwohl die Antiatombewegung die Keimzelle dieser Partei war. Nun mag sich eine solche Haltung in politischen Zusammenhängen noch mit Sachzwängen, übergeordneten Prinzipien und so weiter notdürftig begründen lassen, in religiös-philisophischen Zusammenhängen ist dies aber absolut undenkbar. In dieser Hinsicht kann und sollte es Toleranz gegenüber Andersdenkenden geben, die eigenen Ziele sind aber immer kompromisslos und nicht verhandelbar. Auch wenn Wicca nicht zu einer großen Bewegung werden wird, so ist doch abzusehen, dass die Zahl seiner Anhänger sich eher vergrößern, als kleiner werden wird. Dies hat zum einen mit der Erosion von Wertvorstellungen in unserer Gesellschaft zu tun, die entstehenden Lücken werden gefüllt, zum anderen damit, dass unter der Voraussetzung des Erhaltes der Flexibilität der Wicca-Religion, diese durch ständige Wandlung und Öffnung stets modern sein wird. Hierin steckt allerdings zugleich auch die größte Gefahr, die den Naturreligionen droht. Sie sind immer der Gefahr einer Anpassung an den Zeitgeist und der Assimilation von esoterischen Modeerscheinungen ausgesetzt. Da es keine Führungsstrukturen im Wicca gibt, und Gralshüter "des einen wahren Wicca" zurecht äußerst argwöhnisch betrachtet werden, ist diese Gefahr hier besonders groß. Trotzdem ist mit großer Wahrscheinlichkeit kein Wicca bereit, sich in Hierarchien einzuordnen, um dieser Gefahr zu entgehen. Außerdem ist durch die fehlende Struktur gewährleistet, dass auch Fehlentwicklungen sich nur in einem überschaubaren räumlichen und zeitlichen Radius bewegen und somit keine negative Wirkung auf die Religion ansich haben. Das Wachstum der Zahl der interessierten Menschen hat aber auch auf absehbare Zeit keinen Einfluss darauf, dass diese Religion in aller Öffentlichkeit ausgeübt werden könnte. Beispiele aus den USA zeigen, dass die Anerkennung als "Kirche" auch ihre Schattenseiten hat. Da Wiccas dort örtlich sehr offen auftreten, sind die Mitglieder dieser Kirchen auch persönlich bekannt. Dem Vorteil, dass Interessierte wesentlich leichteren Zugang zu Wicca haben, steht entgegen, dass dort auch moderne Formen der Hexenverfolgung stattfinden. Der amerikanischen Wicca Kathleen Jones (Lady Silver) wurde das Sorgerecht für ihr Kind unter Hinweis auf ihre Religion aberkannt, ihr Sohn in ein Pflegeheim verbracht und der Mutter jeder Kontakt zu ihrem Kind untersagt. Außerdem wurde gerichtlich angeordnet, dass das Kind sonntags einen christlichen Gottesdienst zu besuchen habe und ein Pentakel-Amulett nicht mehr tragen dürfe. Seit fast 2 Jahren kämpft Lady Silver vor amerikanischen Gerichten darum, ihr Kind wieder zu sich nehmen zu dürfen. Auch wenn sie, was wahrscheinlich erscheint, letztlich Recht bekommt, die zwei gestohlenen Jahre sind unwiederbringlich verloren. Es handelt sich hier keineswegs um einen Einzelfall, weitere ähnlich gelagert Fälle wurden in amerikanischen Medien als positives Beispiel der Bekämpfung von Aberglauben publiziert. In Anbetracht dieser Entwicklungen erscheint es wenig wünschenswert, die konspirative Form des europäischen Wicca aufzugeben. Dies soll nun kein Plädoyer für Sektierertum, Abschottung und Vereinzelung von Wicca sein. Aufgabe der jetzigen und künftiger Wiccas wird es sein, so viel Öffentlichkeit wie möglich, bei so großem Schutz wie nötig, herzustellen. Der Schutz darf nicht soweit gehen, dass Interessierte keinen persönlichen Zugang zu Wicca finden. |