vallon – Tir na mBan Land der Frauen

Rhians zweites Buch, ein Roman mit dem Titel „Avallon – Tir na mBan Land der Frauen“, der das Verschwinden Avallons aus der normalen Welt beschreibt, und dessen Epilog ihr hier lesen könnt, ist derzeit über den Alraunen-Verlag (per Internet), Amazon und den Buchhandel erhältlich.

Im Sommer des Jahres 1991 verbrachte ich eine wunderschöne laue Sommernacht auf dem Glastonbury Tor. Dieser mystische Ort, der zu allen Zeiten die Menschen faszinierte, hatte auch mich in seinen Bann geschlagen. In den frühen Morgenstunden, als feuchte Nebel aus dem Tal die Berghänge empor krochen und ich mich schon für den Abstieg vom Berg bereitmachte, traf ich auf eine freundliche ältere Dame, die Marianne Butler hieß, wie sich später herausstellen sollte. Sie lud mich zu warmem Kaffee und frischen Sandwichs ein und bot so ganz nebenbei an, mir die wahre Geschichte Avallons zu erzählen. Skeptisch und ein wenig amüsiert setzte ich mich zu ihr. Schnell waren der Nebel und die aufziehende morgendliche Kühle vergessen. Der grobe Rahmen der jetzt in schriftlicher Form vorliegenden Geschichte stammt aus ihrer Erzählung. Frau Butler war damals nach meiner Schätzung rund siebzig Jahre alt und machte auf mich einen ernstzunehmenden Eindruck. Sie entsprach fast vollständig dem klassischen Bild der netten und lieben Großmutter, die ihren Enkeln spannende Geschichten darüber erzählt, was früher einmal gewesen ist, dies allerdings mit einem ausgeprägten Sprachfehler, wie mir zumindest schien. Immer wenn sie über Avallon sprach, so sprach sie es so aus, als sei das „l“ in Avallon ein britisches „th“. Als ich endlich bemerkte, dass dieser „Sprachfehler“ ausschließlich bei dem erwähnten Wort zu Tage trat und deswegen nachfragte, erklärte sie mir, dass nur die gebildeteren Leute damals Latein sprachen, die meisten der damaligen Bewohner Britanniens dagegen das Britonische, eine dem heutigen walisischen Gälisch sehr nah verwandte Sprache. Das heutige Englisch aber sei damals überhaupt noch nicht existent gewesen. Avallon werde zwar definitiv mit dem Lispellaut ausgesprochen, den die heutigen Engländer „th“ schreiben, im heutigen Walisisch gebe es jedoch einen ähnlichen Laut, der „ll“ geschrieben werde. Aufgrund dieser Erklärungen findet sich im vorliegenden Buch durchgängig die Schreibweise „Avallon“. Von Frau Butler erfuhr ich auch, dass der von ihr beschriebene Initiationsweg heute absolut nicht mehr gangbar sei, da sich durch verschiedene Bergrutsche in den vergangenen Jahrhunderten die Terrassierung des Berges gravierend veränderte. Übrigens kamen in ihrer ursprünglichen Erzählung neben den bekannten Namen aus dem Sagenzyklus um Artus lediglich die Namen Rabon, Mhorgaine und Conn vor. Von diesen abgesehen erwähnte sie nur noch die Namen Josef von Arimathea und Colleen.

Am frühen Morgen in strahlendem Sonnenschein trennten sich die Wege von Frau Butler und mir und ich sah sie nie wieder. Sie hatte mir erzählt, dass sie in Glastonbury wohne, aber auch intensive Nachforschungen meinerseits blieben erfolglos. Gerne hätte ich noch mehr Details erfahren, aber leider gelang es mir bisher nicht, sie noch einmal zu treffen.

So blieb mir nichts anderes übrig, als die Randfiguren der Geschichte in meiner Phantasie entstehen zu lassen und ihnen Leben einzuhauchen.